Filmfestspiele Venedig: Ein Goldener Löwe für Pedro Almodóvar


Der spanische Regisseur gewinnt den Hauptpreis für „The Room Next Door“, einen Film über selbstbestimmtes Sterben.

Es sei zwar sein erstes englischsprachiges Werk, aber der Geist dieses Films sei trotzdem spanisch. Mit diesen Worten widmete Regisseur Pedro Almodóvar den Goldenen Löwen, der ihm zum Abschluss dieser 81. Filmfestspiele verliehen wurde, unter anderem seinem anwesenden Bruder Augustín Almodóvar, der seit seinen ersten Filmen in den 70er Jahren für ihn als Produzent arbeitet. In „The Room Next Door“ spielen Tilda Swinton und Julianne Moore zwei alte Freundinnen, die sich nach langen Jahren wiederbegegnen. Die von Swinton gespielte Martha ist unheilbar an Krebs erkrankt und bittet die von Moore gespielte Ingrid darum, ihr beim selbstbestimmten Sterben zu helfen. Ganz ohne Polemik, die das Thema Sterbehilfe sonst auslöst, gelingt Almodóvar ein bewegender und nachdenklicher Film.

Vielleicht war die heuer besonders drückende Hitze schuld, jedenfalls fehlte es an dem, was ein Festival sonst erst richtig zum Ereignis macht: an Aufregern. Die Energie für Ausbrüche schien nicht da zu sein. Die paar Buhrufe etwa nach den ersten Vorstellungen für Luca Guadagninos „Queer“ oder auch für Todd Phillips’ „Joker: Folie à Deux“ fielen eher matt aus. Zurückhaltend wirkte selbst der Beifall für Favoriten wie den als „Meisterwerk“ gepriesenen „The Brutalist“ von Brady Corbet oder den als Entdeckung gefeierten „April“ der Georgierin Dea Kulumbegashvili.

Applausrekord für Almodóvar

Ihm wurde schon während des Festivals am längsten applaudiert: Pedro Almodóvar.

Ihm wurde schon während des Festivals am längsten applaudiert: Pedro Almodóvar. IMAGO/Ettore Ferrari

Die längste der Steh-Ovationen bekam ohnehin Almodóvar. Er war 1988 mit „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ einst an den Lido gekommen, präsentierte dann aber lange Jahre seine Filme nur noch in Cannes. 2021 kehrte er mit „Parallele Mütter“ zurück und wird seitdem wie ein verlorener Sohn gefeiert.

Almodóvars Beliebtheit am Lido ist zugleich ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Strategie von Festivaldirektor Alberto Barbera, Stars anzulocken. 2019 ließ er Almodóvar einen Goldenen Löwen fürs Lebenswerk verleihen; was eventuell nicht ohne Wirkung auf den bald 75-jährigen Spanier blieb. Barberas Amtszeit gilt schon jetzt als eine der erfolgreichsten überhaupt, ist es ihm doch gelungen, regelmäßig im September genau jene Titel nach Venedig zu bringen, die bis zur Oscar-Verleihung im nächsten Frühjahr eine Rolle spielen. Filme wie „Birdman“ (2014), „Spotlight“ (2015), „The Shape of Water“ (2017) und „Nomadland“ (2020) starteten von ihrer Premiere am Lido bis zum Gewinn als bester Film bei den Oscars durch. Ein krönender Schlusserfolg, der „La La Land“ (2016), „The Favourite“ (2018), „Roma“ (2018), „Joker“ (2019), „Dune“ (2021) und zuletzt „Poor Things“ (2023) oft nur knapp versagt blieb.

Heuer, so viel scheint zum Schluss dieser 81. Ausgabe absehbar, sieht es mit der Oscar-Lancierung nicht ganz so gut aus. Mit „Joker: Folie à Deux“, mit dem Todd Phillips an seinen „Joker“-Erfolg anschließen wollte, zeigte sich sogar die Schwäche des Konzepts.

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