U4 – der Club für alle



Seit fast 45 Jahren ist die Disco U4 eine fixe Größe im Wiener Nachtleben. Auch, weil sie sich immer wieder neu erfand, dabei aber ihrem Geist und Anspruch treu blieb. Die Vermessung einer Wiener Institution.

Das U4, sagte einmal ein bekannter Wiener Konzertveranstalter, „ist ein Club, in dem all jene Menschen Spaß haben, die in der Schule nicht besonders aufgefallen sind“. Was für eine treffende Zuschreibung – kann er doch damit nur gemeint haben, dass die Disco an der U4-Station Meidling Hauptstraße für alle da ist. Dass sie nicht diejenigen anzieht, die eine große Flasche Champagner bestellen, um die Gruppe am Nebentisch zu übertreffen, die eine etwas kleinere Flasche Champagner bestellt hat. Sondern diejenigen, die eine Nacht lang loslassen, tanzen und den Kopf freibekommen wollen. Zu einer Musik, die sie kennen, in einem Ambiente, in dem sie sich wohlfühlen, mit Leuten, von denen sie gern angesprochen werden.

„Wir wollten nie mehr sein, als wir sind“, sagt Betreiber Michael Gröss. „Was wir sind und sein wollen, ist eine Disco mit zwei Tanzflächen, die ein bisschen mehr bietet als nur Fortgehen. Die dafür steht, nach Hause zu kommen, Freunde zu treffen und in vertrauter Umgebung eine gute Zeit zu haben. Ins U4 kann man auch allein gehen, weil man immer Leuten begegnet, die man kennt. Das macht uns und unsere Community aus.“

Neueröffnung im Jahr 2006

Gröss und seine Partner übernahmen den Club 2006. Ein Jahr, nachdem das U4 wegen Brandschutzbedenken zunächst nur eingeschränkt öffnen durfte und schließlich ganz geschlossen wurde – zum ersten Mal seit der Eröffnung im Mai 1980 in einem ehemaligen unterirdischen Stadtheurigen. Eine Ära schien zu Ende zu gehen, ehe Gröss und einige Freunde, die allesamt im U4 aufgewachsen sind und den Untergang der „alten Dame“ nicht hinnehmen wollten, beschlossen, die Belüftungs- und Brandschutzanlagen komplett auszutauschen und dem Club neues Leben einzuhauchen.

So kam es am 9. März 2006 unter großem medialen Interesse zur Wiedereröffnung des U4 – mit einem überarbeiteten Konzept, das neue Veranstaltungen wie etwa Behave, Pleasure und Soulsugar beinhaltete und das U4 wieder in die A-Liga der Fortgehszene katapultierte. Das Motto „Behave“ (jeden Samstag, mit aktuellen sowie zeitlosen Hits) ist bis heute geblieben, Pleasure und Soulsugar hingegen machten den Events Tuesdate (dienstags, Studentennacht mit einer Mischung aus Klassikern, Hip-Hop und aktuellen Hits), Heartbreak Hotel (mittwochs, mit Hits aus den 90ern und 2000ern), Bounti (donnerstags, Hip-Hop- und R&B) und Addicted to Rock (freitags, Schwerpunkt auf Rockmusik) Platz. Geöffnet hat das U4 Dienstag bis Samstag ab 22 Uhr, im Sommer ab 23 Uhr, Eintritt ab 18 Jahren.

Spezielle Veranstaltungen und Konzerte

Neben dem „regulären“ Wochenprogramm bietet das U4 regelmäßig auch Livekonzerte – so traten erst vor Kurzem der Newcomer Bibiza, der heuer mit zwei Amadeus-Awards ausgezeichnet wurde, sowie Voodoo Jürgens auf – und spezielle Events: Einmal im Monat ist der Club bis 23 Uhr beim Early Eve nur für Frauen geöffnet. Ab Herbst wird es auch die 40-plus-Partys Shorty Forty geben, die schon am Nachmittag beginnen und bis 23 Uhr dauern. „Das sollen aber keine Afterwork-Vernetzungstreffen sein, sondern eine Gelegenheit zum Fortgehen für Menschen, die vor Mitternacht zu Hause sein wollen“, sagt Gröss, der zuletzt einen Coup rund um die abgesagten Konzerte von Taylor Swift landete. An allen drei Tagen war der Eintritt für Konzertbesucher frei (normalerweise kostet er zwölf bzw. acht Euro vor 24 Uhr oder bei vorausgegangener Anmeldung auf der Gästeliste), gespielt wurden alle Hits des amerikanischen Superstars und Medienphänomens.

„Zu sehen, wie Hunderte junge Fans die Songs mitsangen, war einmalig. Wir hätten die Soundanlage gar nicht gebraucht“, sagt Gröss. „Auch, dass die Stadt Wien und andere Dienstleister wie etwa Museen und Restaurants auf die Absage reagierten und den Konzertbesuchern spezielle Angebote machten, finde ich großartig. In solchen Situationen geht es nicht darum, ein paar Euro mehr oder weniger zu verdienen, sondern darum, angesichts der Ereignisse ein Zeichen zu setzen. Letztlich bin ich sogar der Meinung, dass der internationale Werbewert für Wien nicht größer gewesen wäre, wenn die Konzerte stattgefunden hätten.“

Rebellen und Freigeister

Zum internationalen Werbewert Wiens trug lange Zeit auch das U4 bei – vor allem in den 80er- und 90er-Jahren, als der Club der einzige österreichische mit Weltruf war. „Die Gruft“ oder „Der schwarze Uterus von Wien“, wie die Disco genannt wurde, war Treffpunkt von Rebellen und Freigeistern, die sich in einem Keller im zwölften Bezirk fühlten wie in den Stadtteilen East Village in New York, Soho in London und Kreuzberg in Berlin. Das U4 war zudem so etwas wie das Wohnzimmer einer künstlerisch und kulturell kreativen Szene. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde im U4 beispielsweise die erste Jungdesigner-Messe veranstaltet – unter anderem mit Elfriede Jelinek in der Jury. Flamingo hieß das erste Clubbing in Österreich, noch bevor Clubbings so genannt wurden. Es folgten der Rosenball als Alternative zum Opernball und die Heaven Gay Night als erstes Gay-Clubbing Österreichs. Das U4 erfand sich also immer wieder neu.

Zum Mythos U4 beigetragen haben natürlich auch die Dutzenden Prominenten, die den Club im Laufe der Jahrzehnte besuchten – allen voran 80er-Jahre-Stammgast Falco, der im U4 eine Zigarette an der Bar rauchen konnte, ohne gestört zu werden – „weil die Gäste zu cool dazu waren“, wie sich Zeitzeugen erinnern. Am 20. und 21. Februar 2025, rund um Falcos Geburtstag, treten daher wieder Die Goldfisch’ mit Mitgliedern von Falcos Originalband im U4 auf – eine Tradition, die schon seit vielen Jahren gepflegt wird. Falco selbst trat nie im U4 auf, dafür aber zahlreiche andere Stars. 1983 fand hier eines der ersten Konzerte von Jazzmusiker Sade statt. Bevor er ein Weltstar wurde, zerstörte Kurt Cobain seine Gitarre auf der Bühne und aß Pizza Backstage. Auch Johnny Depp spielte hier eines seiner wenigen Konzerte – ebenso wie Prince, der ein Überraschungskonzert abseits seiner gebuchten Auftritte in der Wiener Stadthalle gab.

Von Bowie bis Manson

Zu den weiteren U4-Gästen zählen David Bowie, The Cure, die Toten Hosen, Henry Rollins, Courtney Love, Marilyn Manson, Defunkt, Sonic Youth, Cypress Hill, Rammstein, Nina Hagen, Grace Jones und Jovanotti. Aus der österreichischen Szene gaben sich Drahdiwaberl, Minisex, Blümchen Blau, Chuzpe, Tom Pettings Hertzattacken und Hansi Lang die Ehre. Als später Live-Musik an Bedeutung verlor und DJs ihren Part in der Clubkultur übernahmen, übernahmen Musiker wie Roger Sanchez, David Morales und David Guetta. „Sie kamen aus unterschiedlichen Bereichen und waren eigene Typen. Aber eines hatten sie alle gemeinsam“, sagt Gröss. „Sie spiegelten immer den Grundsatz des U4 wieder: Ein Club für alle – ein Schmelztiegel aller sozialen Schichten und Musikrichtungen.“

In Kürze

Disco. Am 8. Mai 1980 eröffnete das U4 (www.u4.at) in einem ehemaligen unterirdischen Stadtheurigen. Benannt wurde der Club nach der U-Bahn, da der Platz eigentlich als U-Bahn-Station geplant war, die aber aus technischen Gründen wenige Meter daneben gebaut wurde. 2005 musste das U4 wegen Brandschutzbedenken schließen, wurde aber ein Jahr später vom jetzigen Betreiber Michael Gröss (und Freunden) wiedereröffnet.

Weltruf. In den 80er- und 90er-Jahren genoss das U4 Weltruf – auch durch Gäste wie etwa Falco, Kurt Cobain, Johnny Depp und David Bowie. Zu Ehren von Falco finden immer noch jedes Jahr (rund um seinen Geburtstag im Februar) Konzerte der Band Die Goldfisch’ mit Originalbandmitgliedern statt. Geöffnet hat das U4 Dienstag bis Samstag ab 22 Uhr, im Sommer ab 23 Uhr, der Eintritt (ab 18 Jahren) kostet zwölf bzw. acht Euro.

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